Trucks / Stories / Pictures

EM-Lauf 02>>> MONTALIEU/FRANKREICH

Veranstaltungsort: Montalieu, Frankreich

Charakter: Fels + Schotter; stellenweise Sand/Schlamm und Wasserdurchfahrten

Sektionen: 20

Erfindergeist, Pirouetten und der Horrortrip eines Vaters

Zum fünfzehnten Mal war der Tross der Geländefahrer in die französische Hochburg der Off Roader gekommen – und es sollte die letzte Veranstaltung im laufenden Vertragszyklus sein. „Beide Seiten haben ein wenig gepokert,“ schmunzelten Co-Organisator Jürgen Funke später – aber am Ende wurde man sich doch wieder handelseinig und unterschrieb einen neuen Kontrakt. Für die nächsten fünf Jahre ist also sicher gestellt, dass die „fete tout terrain“ mit dem begeisterungsfähigen französischen Publikum weiterhin ein Lauf im Rahmen der Europameisterschaft bleiben wird.

Im Gelände schenkten sich die Kontrahenten wie gewohnt nichts, wobei aufgrund des neuen Reglements jeweils erst am Abend aufkommt, wer in welcher Klasse zu den Gewinnern gehört und wer im Lauf des Tages zu viele Stangen geknickt hat. Die 20 Sektionen waren knifflig gesteckt, einige Teilnehmer machten Luftsprünge, blieben auf Steinplatten hängen oder mussten ihre Überrollbügel bemühen.

Eine der spektakulärsten Pirouetten drehte Altmeister Sepp Auinger, der zum ersten Mal seinen Enkel Jan als Beifahrer dabei hatte. Bei einer Bergabfahrt rückwärts legte der Österreicher seinen Prototyp auf die Beifahrerseite, rutsche kurz ab, gab Vollgas – und stand dann wieder auf den sechs Rädern. „Naaa, bist deppert,“ kommentierte der Oldie den Vorfall auf gut österreichisch, drückte das Gaspedal durch als wäre nichts gewesen und fuhr nach Plan weiter. Wie ein kleiner Bub freute er sich hinterher, weil Großvater und Enkel die betreffende Saison trotz der Showeinlage mit nur 20 Fehlerpunkten beendet hatten.

Ein anderer Youngster sitzt Sepp, der die große Prototypenklasse sowohl in Kitzbühel wie in Montalieu gewinnen konnte, im Nacken. Jürgen Funke ist vom Fahrer- auf den Beifahrersitz gewechselt, das Kommando im Ural-Truck hat jetzt sein 18-jähriger Sohn Felix übernommen. Und der macht seine Sache richtig gut, Auinger ist begeistert, „weil es immer wieder gelingt, guten Nachwuchs zu finden.“

Alt und Jung, da gab es noch ein Kapitel: Hermann Schoch kann vieles gut – aber auf dem Beifahrersitz eines Fahrzeugs ist der Unternehmer ein richtiger Hasenfuss. Trotzdem gelang es irgendwie, beim abschließenden Hillclimb Hermann zum Sohn Marcel Schoch in den MAN zu bugsieren. Der Junior ließ es natürlich richtig krachen und den Vierachser den Berg förmlich hinaufspringen: Auf der Folterbank würde Hermann Schoch vermutlich ein entspannteres Gesicht machen als während des kurzen Höllenritts. Oder, wie es die Engländer mit ihrem unvergleichlichen Humor formulieren würden: Nur zwei wissen Bescheid - der liebe Gott und die Frau von der Wäscherei!

Am Abend wurde dann im Fahrerlager wieder über das neue Reglement diskutiert: Daumen hoch oder runter? Die meisten Teilnehmer findes die Änderung gut, weil es jetzt einfach darum geht, gut zu fahren – schielen auf den Konkurrenten geht praktisch nicht mehr. Außerdem hatte der jeweils Erste, der in die Sektion musste, meistens die „A-Karte,“ wie es ein Teihnehmer ausdrückte. Funktionierte eine bestimmte Stelle nicht, konnten sich die folgenden Fahrer darauf einstellen. Mag sein, dass man das in der Vierachserklasse S5 ein wenig anders sieht, doch die Teilnehmer in den restlichen Klassen sind sicher nicht unglücklich darüber, dass jetzt nicht mehr Trauben von Zuschauern vorwiegend in den Sektionen zu finden sind, in denen die zugegebenermaßen spektakulären Vierachser gerade fahren. Für die Zuschauer ist es auch spannender geworden, sie sehen in einer Sektion die komplette Palette vom kleinen Unimog über die großkalibrigen Geräte bis hin zu den teilweise verrückten Prototypen, von denen es in diesem Jahr wieder einige Exemplare gibt, die Zeugnis ablegen von großem Erfindergeist oder wahlweise viel Phantasie.

>>> Alle Ergebnisse auf www.europatrucktrial.org

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