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FIA European Truck Racing Championship 2011

race 04>>> NOGARO

Rennstrecke: Circuit Paul Armagnac Nogaro

Steckenlänge: 3636 m

Rekord: 1:53.405 - Jochen Hahn/MAN (2009)

So schön kann Siegen sein

Es war der emotionalste Moment dieses Wochenendes: Der Spanier Javier Mariezcurrena stand ganz oben auf dem Siegertreppchen und verdrückte sich ein paar Tränen. Es war ein Sieg, den er sich vielleicht einmal erträumt, aber nie erwartet hatte. Mariezcurrena hatte die Gunst der Stunde genutzt und dazu einen grandiosen Tag erwischt. Der Erfolg des Spaniers zeigte aber auch, dass die vor zwei Jahren eingeführte Regeländerung ihre Berechtigung hat. Der reverse grid im jeweils zweiten Rennen eines Tages eröffnet an besonderen Tagen auch den Piloten eine Chance, die normalerweise nie ganz oben auf dem Treppchen stehen. Sie müssen nur alles richtig machen, so wie Alexander Lvov zwei wochen zuvor in Albacete oder eben jetzt Mariezcurrena.

Der war im ersten Lauf Achter geworden, durfte also im abschließenden Rennen von der Pole aus starten - und setzte sich schon in der ersten Kurve ab. Hinter dem Spanier im blauen MAN mit der Startnummer 20 folgte ein dicht gestaffelter MKR-Geleitzug. Drei Trucks des Teams also, das in Nogaro böse unter die Räder gekommen war und gegen die MAN-Armada deutlich den kürzeren gezogen hatte. So recht wurde denn auch nicht klar, ob Lacko, Bösiger und Oestreich ganz einfach froh darüber waren, wenigstens nur einen MAN-Fahrer, der noch dazu in den Punkterängen kein Konkurrent ist, vor sich zu haben. Oder ob aufgrund diverser Malaisen nicht mehr drin war. Jedenfalls hielt der anthrazitfarbene Riegel bis zum Schluß, blieb aber auch deutlich hinter dem dahin fliegenden Mariezcurrena, der im Ziel sein Glück kaum fassen konnte. Seriensieger Hahn und die beiden anderen Aushängeschilder im MAN-Lager, Antonio Albacete und Uwe Nittel, mussten sich diesmal hinter den Renaults einreihen.

Wobei sich dieses Trio zuvor schadlos gehalten und reichlich Punkte auf das jeweilige Konto geschaufelt hatte. Gegen Hahn kommt im Augenblick niemand an, der Schwabe holte sich am Sonntagvormittag schon wieder eine Pole, inzwischen die sechste in Serie, und münzte den Vorteil in einen fast schon spielerisch herausgefahrenen Sieg um. Nach dem Rennen stand er wie schon am Vortag mit Nittel und Albacete auf dem Podium, die hatten diesmal allerdings die Plätze getauscht. Der amtierende Meister kam als Zwiter, Newcomer Nittel als Dritter ins Ziel.

Hahn fährt jetzt mit einem komfortablen Punktepolster zum Heimrennen auf dem Nürburgring. Man darf gespannt sein, wie das Prestigeduell der deutschen Fahrer dort ausgeht. Zu gewinnen gibt es am Ring auch nur maximal 60 Punkte - doch vor der Reklordkulisse und angereisten Sponsoren möchte natürlich jedes Team eine möglichst gute Figur machen.

Hahn im glück

Jochen Hahn fährt weiter in einer eigenen Liga: Auch beim vierten Kräftemssen des Jahres 2011 stellte der deutsche EM-Spitzenreiter seine Konkurrenten klar in den Schatten. Die Basis dafür war eine große Portion Glück, denn ausgerechnet kurz vor der zweiten Hälfte des Zeittrainings, dem Kampf der zehn Besten um die Superpole, begann es leicht zu regnen. Doch die Piste wurde nicht richtig nass, trocknete nach ein paar Augenblicken wieder ab. Genau die richtigen Zutaten, um aus dem Zeittraining einen Krimi zu machen: Als der zunächst Schnellste, Antonio Albacete, seine letzte Runde schon gedreht hatte, kam Hahn noch einmal über die Ziellinie geflogen - war einen Tick schneller als der amtierende Champion und eroberte sich damit seine fünfte Pole Position in Folge. Und zu Albacetes Pech erwischte auch Uwe Nittel noch einen Super-Umlauf und platzierte sich mit gerade einmal drei Tausendstel Sekunden Vorsprung vor dem Spanier.

Nach dem ersten Championshiprennen gab es im Fahrerlager eine klare Trennlinie: Gewinner waren die MAN-Teams, Verlierer die Renault-Flotte. Auf dem Podium standen drei MAN-Fahrer. Von Hahn ist man das inzwischen ja gewohnt, er wurde begleitet von Nittel und Albacete: Nittels Performance ist eigentlich unglaublich, zumindest in den letzten Jahren hat es keinen Newcomer mehr gegeben, der ähnliches vollbracht hätte. In seiner zweiten Saison stiehlt der gelernte Rallye-Fahrer sogar ausgebufften Truck Racern die Show und fährt regelmäßig aufs Podium. Dass er aus seinem Crash in Misano gelernt hat, war dann im zweiten Rennen zu beobachten - da war Nittel zunächst sicherlich schneller als Adam Lacko vor ihm - doch an dem Tschechen vorbei zu wollen, beinhaltet immer ein gewisses Risiko. Also beschränkte sich der Deutsche nach einigen Runden darauf, den sechsten Rang "geruhsam" ins Ziel zu bringen.

In diesem Rennen stand gleich nach dem Start wieder ein großer Pechkübel für Markus Oestreich parat. Inzwischen muss man mit "Oese" fast Mitleid haben, diesmal krachte ihm Vrsecky unbeabsichtigt ins Heck, wodurch der Stoßfänger auf die Reifen drückte und den Vorwärtsdrang erheblich bremste. Vrsecky wiederum gewann den Lauf, vor Albacete und Hahn - zum zweiten Mal an diesem Tag gab es also ein Podium ohne Renault-Beteiligung.

 

Pressefahrt mit Hintergedanken

Auf einer kleinen Rennstrecke ist manches einfacher als auf einer Großveranstaltung: Am Nürburgring fällt der beliebte Mitfahrtag in diesem Jahr aus welchen Gründen auch immer ins Wasser, doch in Nogaro hält man an dem Termin für die Presse eisern fest. Am Tag vor den Rennen werden auf dem Circuit Paul Armagnac traditionell die Medienvertreter zum Mitfahren und Essen eingeladen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge, um allfällige Malaisen zu vermeiden. Die Organisatoren machen das natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern weil sie wissen, dass die Journalisten mit der Geschichte am folgenden Tag groß rauskommen - und damit sozusagen kostenlose Werbung für das Rennen betreiben. "Die können wir gut gebrauchen," sagt die verantwortliche Managerin Caroline Divies, die keine Prognose wagt, wie gut der EM-Lauf besucht sein wird: "Im Moment haben wir hier in der Region jede Menge andere Veranstaltungen, die Konkurrenz ist hart."

Die französischen Journalisten, die ja nicht mit dem Renntross mitziehen, nutzten die Gelegenheit jedenfalls weidlich und zeigten sich durch die Bank schwer beeindruckt. Es gibt ja nicht allzu viele Renngeräte, bei denen man auf einem Beifahrersitz Platz nehmen kann. Und wenn der Truck dann noch mit der gewaltigen Kraft von 6000 Newtonmeter aus der Boxengasse beschleunigt, ist der begeisterte Artikel praktisch schon geschrieben.

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