Rennstrecke: Autodrom Smolenskring
Steckenlänge: 3357 m
Rekord: 1:52.890 - Jochen Hahn / MAN (2010)
Jedenfalls ist Seriensieger Jochen Hahn endgültig entthront. Die erste Pole Position von Smolensk ging an Antonio Albacete. Der amtierende Europameister scheint, nachdem er auch am Nürburgring der eifrigste Punktesammler war, wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden zu haben. In der Startphase des ersten Rennens setzte sich zwar der Deutsche an die Spitze des Feldes, doch nach einigen Runden versetzte der Spanier den Konkurrenten und demonstrierte anschließend, dass er an diesem Tag deutlich schneller unterwegs war. Albacete gewann unangefochten vor Hahn und David Vrsecky.
Im zweiten Durchgang fiel Hahn nach einem Rempler von Lokalmatador Alexander Lvov weit zurück, dafür freute sich sein Landsmann Markus Oestreich über eine Art Oomeback. Für "Oese" war der Sieg in diesem Rennen auch eine kleine Wiedergutmachung für den Morgen: Da war ihm die schnellste Runde - die hätte für Startplatz 2 gereicht - gestrichen worden, weil die Marshals eine Berührung der Streckenmarker gemeldet hatte. Oestreich und sein Team schworen Stein und Bein, dass die Runde "sauber" gewesen sei. Zur Not hätte man das sogar per Video beweisen können - doch mit den Meldungen der Streckenposten verhält es sich so wie mit einer Entscheidung eines Fußball-Schiedsrichter. Dessen Entscheidungen können auch nicht mehr korrigiert werden.
Auf den Plätzen im zweiten Lauf folgten mit Chris Levett und Stuart Oliver die beiden britischen Fahrer im Feld. Wirbel gab es anschließend noch um Uwe Nittel, der von den Stewards wegen gefährlichen Fahrens abgestraft wurde - er wird für sechs Rennen disqualifiziert, falls er sich in den nächsten Runden etwas zuschulden kommen lässt.
Am Sonntag hielt sich Jochen Hahn für die kurze Durststrecke schadlos, das Nachsehen hatte in diesem Fall der Ex-champion Markus Bösiger. Der Schweizer holte sich zwar mit einem Wimpernschlag Vorsprung - genau gesagt: 55 Hunderstel Sekunden - die Pole Position. Doch beim Start war Hahn wieder einmal unwiderstehlich und ließ bösiger buchstäblich stehen. Mit einem vierten Platz im letzten Lauf festigte der Top-Favorit seine Position an der Spitze der Tabelle.
Zum Abschluß schenkten sich die Fahrer wieder einmal nichts - auf der piste sah es nach den 14 Runden stellenweise aus, als hätte die Rote Armee ein Sommermanöver veranstaltet. Der Asphalt war übersät mit gelben, roten und schwarzen Kunststoffteilen. In der Spitzengruppe dachte offebar nur Jochen Hahn an sein Team, das nach dem Regenrennen am Ring ohnehin Schwerstarbeit leisten musste, um den MAN wieder auf Vordermann zu bringen. Nittel fuhr nach der ersten Kurve mit ramponierten Truck im Schneckentempo weiter, Albacete baumelte das, was im normalen Leben ein Kühlergrill ist, an einer einzigen Halterung im Fahrwind, auch Markus oestreich sah ziemlich mitgenommen aus und musste das Rennen vorzeitig aufgeben, da er die schwarze Flagge gezeigt bekam.Die Besucher genossen die Schlacht um die EM-Punkte und freuten sich am Ende vor allem mit ihrem Löwen aus St. Petersburg: Alexander Lvov beendete den Lauf als Fünfter.
So viel Mühe sich die Organisatoren auch geben - trotzdem scheint in Russland immer wieder das "sowjetische" System durch. Wenn es dabei nur um Dinge wie das schwache Internet geht, ist das nicht weiter schlimm. Es hilft den Besuchern aus dem Westen, ein wenig zu entschleunigen und viele Dinge einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ärgerlich wird es aber, wenn die Streckenposten den Fotografen oder auch den Fahrern (siehe oben) das Leben schwer machen: Da bricht sich der alte Obrigkeitsglaube Bahn, wer ein Amt hat, hat auch die Macht. Ahnung von der Materie braucht man dafür nicht unbedingt zu haben...