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FIA European Truck Racing Championship 2011

race 07>>> MOST

Rennstrecke: Autodrom Most

Steckenlänge: 4219 m

Rekord: 2:02.096 David Vrsecky/Freightliner (2008)

Regenrennen mit Nebenwirkungen

Nach der Gluthitze des ersten Tages, bei dem die beiden freien Trainingseinheiten auf dem Zeitplan standen, hatte es in der Nacht merklich abgekühlt und unmittelbar vor dem Qualifikationstraining sogar leicht zu regnen begonnen. Der Lokalmatador kam mit diesen Bedingungen am Besten zurecht - die tschechischen Fans drücken Lacko für das erste Rennen dieses Wochenendes natürlich die Daumen.

 

Was auch ganz gut funktioniert hat - jedenfalls war Lacko einer der wenigen Fahrer, die in diesem Rennen "sauber" blieben. Der Renault-Fahrer setzte sich mit einem sauberen Start vom Feld ab und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. EM-Favorit Hahn unternahm einen Versuch, den zweiten Tschechen im Starterfeld auszubremsen, doch nachdem der Deutsche sah, dass David Vrsecky auf der Hut war, brach er den Versuch ab und reihte sich hinter dem Buggyra ins Feld ein. Verständlich, denn die beiden Tschechen gehören nicht zu denen, die Jochen Hahn unmittelbar gefährlich werden können.

Verfolger Albacete blieb im Mittelfeld hängen, Alex Lvov verteidigte nach einem beinharten Start seinen vierten Rang vor dem Rest der Meute. Erstaunlicherweise sprachen die Rennkomissare nach längerer Beratung nur "Verwarnungen" aus, die diversen Zweikämpfe mit ausgefahrenen Ellbogen bleiben also zunächst folgenlos.

Übrigens: In Most war ein deutscher Fahrer mit von der Partie, der früher auch dafür bekannt war, keinem Infight aus dem Weg zu gehen. Heinz-Werner Lenz, in den letzten Jahren nur am Nürburgring aktiv, hat mit seinem Mercedes allerdings keine Chancen, im Konzert der Top-Fahrer mitzuspielen. Aber er ist nach eingenem Bekunden ja nur dabei, um ein wenig Spaß zu haben - und weil sein Sohn Sascha, der eigentlich noch einige EM-Rennen fahren wollte, abgesagt hatte. Also zoffte sich der alte Lenz mit Orsini, Kleinnagelvoort oder Birnbauer - Spaß hatte er sicher dabei und die Stewards hatten auch keine Probleme mit ihm.

 

Im zweiten Rennen hielt sich der Spaß für die meisten Fahrer in Grenzen. Denn der Wettersturz sorgte wieder einmal für einen Wettkampf bei irregulären Verhältnissen - schon vor dem Start des Laufs ahnten viele Mechaniker, dass sie an diesem Tag noch mit reichlich Arbeit eingedeckt werden würden. Markus Oestreich, Jose Bermejo, Uwe Nittel und Chris Levett waren die prominentesten Ausfälle in dem turbulenten Regenrennen, das den Samstag abschloss. David Vrsecky, Markus Bösiger und Adam Lacko (der später bestraft wurde) beziehungsweise Antonio Albacete machten ihre Sache besser und setzten sich erfolgreich durch. Jochen Hahn agierte clever, zog eine drive-thru-Strafe dem möglichen Totalausfall vor und schaufelte als Sechster wieder einige Pünktchen auf sein Konto, das immer ansehnlicher wird. 66 Punkte beträgt der Vorsprung des Altensteigers aktuell.

 

Mario Kress im Glück

Vor dem Beginn der Saison 2011 waren die Renault-Trucks von Mario Kress schon als absolute Überflieger gehandelt worden - die Realität stellte sich nach den ersten Renntagen dann doch etwas anders dar. Aber pünktlich zum Heimrennen des tschechisch-deutschen Teams präsentierten sich dessen Fahrer topfit. Was auch eine Art war, sich bei der Crew zu bedanken, die bis in die Morgenstunden gearbeitet hatte, um die Trucks nach dem turbulenten Regenrennen des Vortags wieder fit zu machen. Schon nach dem Zeittraining um die Superpole war der Jubel bei Kress und seinen Mitstreitern groß: Bösiger, Oestreich und Lacko hatten vor allem den Konkurrenten aus dem MAN-Lager das Nachsehen gegeben und sich mit den drei schnellsten Rundenzeiten an die Spitze gesetzt. Dort blieb das Trio auch im dritten Championship Race und sorgte damit für einen umjubelten (und verdienten) Dreifach-Erfolg für Renault.

Im letzten Rennen von Most zeigte Alex Lvov, dass er in in diesem Jahr einen weiteren Schritt nach vorne gemacht hat. Der Sieg des Russen im Allgäuer-MAN war sicherlich durch die Tatsache begünstigt, dass in dem Rennen mit gedrehtem Start kein Bösiger, Albacete oder Hahn am Heck des gelben MAN klebte. Denn von den Verfolgern begnügte sich Chris Levett (Buggyra) nach einem durchwachsenen Wochenende und einer kurzen, zaghaften Attacke, den zweiten Platz sicher nach Hause zu fahren. Und Uwe Nittel, der Drittplatzierte, hat nach diversen Interviews bei den Stewards Probleme herauszufinden, "was geht" und was nicht. Wobei die teils inkonsequenten Entscheidungen nicht nur den deutschen Newcomer verwirren, der deshalb auf den dritten Platz mit gebremster Freude reagierte.

Jochen Hahn musste an diesem Tag kleinere Brötchen backen, was den Spitzenreiter in der EM-Wertung aber nicht weiter störte: Der Rest des Feldes ist sich ja nicht einig, wer denn nun den heißesten Titelanwärter jagen soll. Diesmal erlebte der direkte Verfolger Antonio Albacete ein Wochenende zum abhaken. Und aus dem Renault-Lager setzte sich einmal Lacko, am Sonntag dann Bösiger durch. Mit der Folge, dass Jochen Hahns Vorsprung wächst und wächst. Vom Titelgewinn reden wollen weder er noch sein Team - auch der Lauf in Most war zwar keine glänzende Vorstellung, doch ein wichtiger Schritt auf dem Weg dort hin.

 

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