Rennstrecke: Streckenname: Circuito del Jarama
Steckenlänge: 3850 m
Rekord: 1:58.229 David Vrsecky/Freightliner (2008)
Nachdem sich der Fokus auf den spannenden Zweikampf zwischen den beiden MAN-Fahrern richtete, wurde die erneut starke Performance des MKR-Teams kaum gebührend gewürdigt. Das Trio Bösiger, Oestreich und Lacko dominierte am Samstag das Zeittraining der Top Ten um die Superpole in beeindruckender Manier und reservierte sich die drei vordersten Startplätze. Am Ende kamen nur "Oese" und vor ihm Bösiger durch, Lacko musste sich dem Lokalmatador beugen und rollte hinter Albacete ins Ziel. Hahn wurde in diesem Lauf Fünfter und ließ damit den spanischen Konkurrenten nicht allzuweit enteilen.
Im zweiten Lauf überquerte Rot erneut vor Schwarz den Zielstrich, Antonio Albacete hatte sich erfolgreich durchgesetzt und dominierte das Rennen. In Jarama gehört es ja zum guten Ton, dass sich bei einer derartigen Konstellation die Geräuschkulisse auf der Haupttribüne zum akustischen Inferno auswächst, die aficionados waren wieder einmal aus dem Häuschen, zumal auch die spanischen Amateure nur darum wetteiferten, wer die schönste Kurvendrift (inklusive Staub und Dreck aufwirbeln) hinbekommen würde.
Doch diesmal trennte die Titelaspiranten nur ein Platz und damit ein Punkt. Gelingt dem erfolgreichsten Truck Racer im Starterfeld am zweiten Tag eine vergleichbare Leistung, wird der Titel erst am darauf folgenden Wochenende bei einem Herzschlag-Finale ausgekämpft.
Am Sonntag kam das Renngeschehen nur mühsam in Gang. Vor den beiden Championship-Läufen hatten sich die MKR-Renaults im Qualifying gegenüber dem imposanten Auftritt vom Vortag eher nach hinten orientiert. Diesmal holte sich der Tscheche David Vrsecky im Buggyra die Pole Position, gefolgt von Albacete sowie Markus Oestreich und David Lacko. Beim Versuch, das erste Sonntagsrennen zu starten, ließen es die Piloten ordentlich krachen, man befindet sich ja schließlich am Ende der Saison, und da gilt es, um jeden Zentimeter zu kämpfen. Eine ganze Reihe von Trucks sah aus, als wären sie gerade vom Kampfeinsatz in Afghanistan zurück gekommen. Nachdem Antonio Albacete den Start nicht optimal erwischt hatte, um es zurückhaltend zu formulieren, stach er in der ersten Kurve, einem Kampfstier nicht unähnlich, in die Meute. In der Folge entwickelte sich ein Zweikampf mit Vrsecky, bei dem der local hero den kürzeren zog und sich im Kiesbett wieder fand. Glück für Albacete, dass sein umlackierter Cepsa-MAN so ungünstig parkte, dass sich die Rennleitung zum Abbruch gezwungen sah. Der amtierende Champion bekam also eine zweite Chance - und die nutzte er geschickter als im ersten Anlauf. Diesmal war Antonio hellwach und stach die Konkurrenten um den Platz an der Sonne kurzerhand aus.
Auch an diesem Tag kamen die Kettensägen- und Rasenmähermotoren also wieder zu ihrem Recht, nachdem der Held der spanischen Truckrace-Fans im Kampf um den Titel 2011 den Abstand auf den drittplatzierten Jochen Hahn weiter verkürzte. Der Hahn aus dem Schwabenland wiederum hielt sich im letzten Lauf schadlos und kam als Zweiter deutlich vor Albacete ins Ziel, der zudem wegen einer scharfen Attacke, wieder gegen Vrsecky geritten, mit einer Fünf-Sekunden-Strafe belegt wurde, was ihn gegenüber dem Zieleinlauf um einen Platz auf die Fünf zurück warf.
Im Team Hahn gibt man sich trotz des Krimis, zu dem sich das Finale auswächst, recht entspannt. Vom technischen Mastermind Stefan Honens ist nur zu hören, er sei schon Mal Europameister gewesen und müsse nichts mehr werden, das sei jetzt Jochens Job; wenn schon. Und der ist ja selten um einen krummen Spruch verlegen. Gefragt, warum er auf dem Podium immer so ernst schaue, meinte Hahn (in geglätteter Version): "Da ärgere ich mich immer, wenn ich nicht ganz oben stehe und frage mich, woran's liegt." Ein guter Einstieg für ein launiges Sonntagabend-Gespräch im Paddock. Doch das wächst sich rasch zum Gagfeuerwerk aus - und bleibt daher privat.