Als "richtigen Männersport" klassifiziert Detlef Ruf die Baja 1000. Ruf hat sich als professioneller Rallye-Copilot einen Namen gemacht und fährt unter anderem mit Franz Echter und Artur Klein bei diversen Langstrecken-Rallies wie der Dakar oder der Silkway-Rallye. Doch die einfach strukturierte Wahnsinnstour auf der Baja California (die gehört übrigens trotz ihres Namens zu Mexiko) hat es auch Ruf angetan. Bekanntlich ist Männern für ihre Leidenschaften kein Spielzeug groß genug. Aber ausgewachsene Trucks würde es auf den Hammerpisten, auf denen die Baja gefahren wird, wohl schnell zerlegen. Denn ein Markenzeichen der Rallye sind die welligen Sanddünen inklusive Sprüngen von mitunter mehr als 30 Metern. Die typischen Baja-Fahrzeuge weisen daher extreme Federwege auf: Bei der jetzt vorgestellten Spezialanfertigung von Armin Schwarz sind es vorne 68 und hinten 93 Zentimeter. So etwas lässt sich bei einem Truck kaum realisieren, zudem stellen der hohe Schwerpunkt und das Gewicht ein kaum lösbares Problem dar. Macht aber nichts, denn der AGM-Jimco X6 Score Trophy Truck reicht mit einem Radstand von 325 Zentimetern und einer Spurweite von 236 Zentimetern ohnehin ziemlich nahe an die Werte einer kurzen Sattelzugmaschine heran.
Und zumindest nach nordamerikanischer Lesart fährt Schwarz ja einen Truck: Bei den Amis werden die fetten Pickups als Trucks bezeichnet, und die Klasse, in der das Team All German Motorsports mit dem X6 antritt, heißt Trophy Trucks. Das ist sozusagen die Königsklasse auf der Baja, und nur in der kann man die Gesamtwertung gewinnen. Davon ist der Deutsche überzeugt, der nach fünf Jahren in einem Class 1 Buggy (mit dem er 2010 die kurze Schwesterrallye Baja 250 gewann) jetzt in die Oberliga aufgestiegen ist, in der sich vermutlich die härtesten Männer tummeln. Zum Beispiel auch der verrückte Robbie Gordon, der mit seinem modifizierten Hummer schon auf einigen Dakars für Aufsehen sorgte. Wer seinen Körper zum Fliegen benutzt, gilt ja vielen "normalen" Menschen auch als suspekt: Sven Hannawald, früher erfolgreicher Skispringer, sucht den Adrenalin-Kick seit einiger Zeit im Motorsport und kletterte (es gibt keine Türen!) bei der Präsentation des Trophy-Trucks in einem ehemaligen Braunkohle-Tagebau-Gelände bei Leipzig ebenso auf den Beifahrersitz neben Armin Schwarz wie zahlreiche Journalisten und Gäste des Teams.
Die Baja 1000 startet Mitte November in Ensenada, einer Großsstadt gleich südlich der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Nach einem harten Tag ist alles vorbei, jedenfalls für die richtigen Männer: Jeweils zwei Zweier-Teams wechseln sich am Steuer eines Fahrzeugs ab. Die Schnellsten schaffen die 1000 Meilen in rund 20 Stunden. Schwarz kalkuliert für sich mit 22 bis 24 Stunden, denn in diesem Jahr ist die Baja 1000 für ihn eine Probefahrt unter realistischen Bedingungen: "Wir haben mit dem neuen Truck gerade einmal 300 Meilen Testfahrten geschafft," erzählt der Offroad-Profi. "Daher betrachten wir die Teilnahme in diesem Jahr als Probelauf. Gewinnen wollen wir im nächsten Jahr, da feiern die Veranstalter ein kleines Jubiläum, es wird die 45. Baja 1000 sein und wir haben uns vorgenommen, als erstes europäisches Team ganz oben auf dem Treppchen zu stehen."
So oder so, mit seinem Trophy Truck, dessen Vorderansicht die typische BMW-Niere ziert, wird Schwarz sicherlich für Furore sorgen. Das Fahrzeug ist ein technischer Leckerbissen, bei dem vor allem das Gewicht im Mittelpunkt der Überlegungen stand. Rund 3100 Kilogramm wiegen typische Trophy Trucks bei der Baja üblicherweise, der X6 mit einem Chassis des amerikanischen Fahrgestell-Spezialisten Jimco (die Firma gilt unter Experten als bester Chassis-Hersteller im Offroad-Bereich) wiegt gerade einmal 4500 amerikanische Pfund oder 2050 Kilogramm. Für den Vortrieb sorgt ein 725 PS starker Denzio BMW-Motor mit acht v-förmig angeordneten Zylindern. Der Schaltpunkt liegt bei 6.600 U/min, die maximale Drehzahl bei 7.200 U/min. Die Kraftübertragung erfolgt über ein sequentielles 4-Gang Schaltgetriebe von Fortin und TCS-Drehmomentwandler.