race 02/2010
ALBACETE (E)
Streckenname: Circuito de velocidad Albacete
Streckenlänge: 3539 m
Rekord: 1:55.772 - Markus Bösiger/Freightliner (2007)
DREI DEUTSCHE IN ALBACETE
Kurz vor dem Start in die zweite Runde der diesjährigen Truckrace Europameisterschaft wurde bekannt, dass in Albacete drei deutsche Motorsportler am Start sein werden: Rallye-As Uwe Nittel wird auf dem Rundkurs in der spanischen Provinz La Mancha den zeiten Buggyra-Freightliner pilotieren und dort auf seine Landsleute Jochen Hahn (MAN) und Markus Oestreich (Renault) stoßen. Nittel war schon vor dem Start in die EM-Saison als heißer Anwärter auf den freien Platz im tschechischen Team gehandelt worden, ehe dann überraschend Stuart Oliver aus Großbritannien auftauchte. Doch Oliver war in Italien zum Zuschauen verdammt, sein Landsmann Chris Levett verweigerte die nötige Zustimmung (aller Fahrer) für einen “Spätstart” des einstigen Europameisters. Nittel hat den Freightliner in der Winterpause etliche Male getestet und dabei eine gute Figur abgegeben. Dennoch dämpft er vor dem Start in Albacete die Erwartungen – schließlich kennt er weder die Rennstrecke noch die besondere Atmosphäre, wenn sich der Pulk der Schwergewichte nach dem Umspringen der Startampel abrupt in Bewegung setzt.
Das Engegament des Deutschen ist vorerst auf ein Rennen begrenzt, danach wird wohl entschieden, wie es weiter geht
ALBACETES FURIOSES HEIMSPIEL
Beim Saisonauftakt in Misano gab es im MAN-Lager einige lange Gesichter. Auch wenn die Ergebnisse bei genauer Betrachtung nicht wirklich schlecht waren – so hatte man sich in München und Nürnberg den Ausgang der Rennen sicher nicht vorgestellt. Beim zweiten Lauf in der Region La Mancha schlug die MAN-Armada zurück. Vor allem Antonio Albacete zeigte sich in seiner spanischen Heimat bis in die Haarspitzen motiviert und glänzte mit einer makellosen Vorstellung.
Jochen Hahn und immer wieder Antonio Albacete gaben beim Gastspiel der Truckracer in der Heimat des wackeren Ritters Don Quichotte den Ton an. Lokalmatador Albacete ließ es im ersten Lauf ordentlich krachen, als er seine Pole Position zu einem deutlichen Start-Ziel-Sieg nutzte. Der Abstand auf die Verfolger war beachtlich, im Zeittraining „Superpole“ hatte der Spanier seinen Markenkollegen Hahn gerade einmal um die Winzigkeit von ein paar Tausendstel Sekunden überflügelt. Hahn wiederum gewann den zweiten Lauf sehr souverän. Ohne Ellbogeneinsatz hatte sich der zuvor zweitplatzierte Deutsche nach ganz vorne gearbeitet und damit seinem Punktekonto Gutes getan. Auf einen Punkt ist Hahn nach den beiden Championshiprennen an den Noch-Führenden Markus Bösiger herangerückt. Der Schweizer machte seine Sache auch in Albacete ziemlich gut, mit zweimal Rang drei sorgte er dafür, dass sich Mario Kress’ junges Team auch beim zweiten Auftritt auf dem Podium etablierte. Bei der zweiten Siegerehrung wurde die gegenwärtige Konstellation noch einmal deutlich: Albacete und Hahn verabredeten sich und verpassten nach dem offiziellen Teil dem Kontrahenten vom Renault-Team gemeinsam eine Champagner-Dusche (genau genommen handelte es sich allerdings um spanischen Cava, doch der ist sicherlich nicht weniger klebrig).
Grund zur Freude hatte auch die gelbe Flotte aus Vorarlberg. Adam Lacko und Alexander Lvov fuhren das beste Teamergebnis seit langem ein. Im zweiten Rennen wäre vielleicht noch mehr zu holen gewesen, doch Lacko musste schon in der Anfangsphase auf einen Hinterreifen verzichten, mit einem Plattfuss ist angesichts der momentan üblichen Konfiguration nicht viel auszurichten. Dass der Tscheche trotzdem noch Achter wurde, spricht für seine Routine.
Uwe Nittel, zum ersten Mal im Buggyra-Freightliner am Start schlug sich wacker und holte bei seinem EM-Debüt zwei Punkte. Im zweiten Rennen machte der Novize dann Bekanntschaft mit den Tücken des Trucksports: Nach diversen Feindberührungen und einer guten fahrerischen Leistung endete der Ausflug da, wo sich der Ex-Rallyeprofi eigentlich auskennen müsste: im staubigen Offroad-Bereich. Mit zwei geborstenen Bremsscheiben versenkte Nittel den weiß-blauen Hauber im Kiesbett.
Und dann waren da noch die Helden des Publikums: In Spanien ist es ja inzwischen gute Tradition, dass die einheimischen Truck Racer sich nicht so sehr um die Platzierung kümmern, sondern ihre vornehmste Aufgabe darin sehen, die Zuschauer gut zu unterhalten. Das gelang wieder recht ordentlich – zwar ging so manches „Kunststück“ in die Hose (sprich: ins Kiensbett), doch die aficionados hatten ihre helle Freude an den Driftern in den meist betagten Trucks.
Auch am zweiten Tag war der local hero kaum zu bremsen. Mit zwei überlegen herausgefahrenen Siegen ließ er den Konkurrenten keine Chance. Im ersten Rennen hatte Albacete erneut “leichtes Spiel”, er konnte die zweite Pole Position dieses Wochenendes für den zweiten Start-Ziel-Sieg nutzen. Im zweiten Rennen musste der Madrilene richtig arbeiten, schließlich sind aufgrund des gedrehten Starts richtig harte Gegner nieder zu ringen, will man von Platz acht aus ganz nach vorne. Was Antonio furios erledigte. Überraschend war, wer nach dem Spanier auf den Plätzen abgewunken wurde: Alexander Lvov freute sich als Zweiter über sein bisher bestes Truck-Ergebnis. Und mit Anthony Janiec kam sogar ein Renault-Fahrer aufs Treppchen, allerdings ein “Falscher”. Die Fahrer von Mario Kress’ neuem Renault-Team mussten sich an diesem Tag mit schmaler Kost begnügen.




Championshiprace 1
1. Albacete (MAN)
2. Hahn (MAN)
3. Bösiger (Renault)
4. Lacko (MAN)
5. Vrsecky (Freightliner)
6. Lvov (MAN)
7. Janiec (Renault)
8. Mariezcurrena (MAN)
9. Nittel (Freightliner)
10. Oestreich (Renault)
Championshiprace 2
1. Hahn (MAN)
2. Albacete (MAN)
3. Bösiger (Renault)
4. Janiec (Renault)
5. Lvov (MAN)
6. Oestreich
7. Vrsecky (Freightliner)
8. Lacko (MAN)
9. Szobi (MAN)
10. Mariezcurrena (MAN)
Championshiprace 3
1. Antonio Albacete
2. Jochen Hahn
3. David Vrsecky
4. Markus Bösiger
5. Alexander Lvov
6. Balàzs Sobi
7. Adam Lacko
8. Anthony Janiec
9. Javier Mariezcurrena
10. Markus Oestreich
Championshiprace 4
1. Antonio Albacete
2. Alexander Lvov
3. Anthony Janiec
4. David Vrsecky
5. Jochen Hahn
6. Markus Oestreich
7. Balàzs Sobi
8. Javier Mariezcurrena
9. Chris Levett
10. Uwe Nittel
Stand EM-Wertung 2/9
1. Antonio Albacete 89
2. Jochen Hahn 84
3. Markus Bösiger 74
4. David Vrsecky 58
5. Alexander Lvov 39
6. Markus Oestreich 37
7. Adam Lacko 34
8. Balàzs Sobi 25
9. Anthony Janiec 23
10. Javier Mariezcurrena 13









